Punktloser Start in den Mai

„Oleeeolleee, TSV Wennigsen oleeeee“ hallte es aus den Katakomben der Sportfreunde Landringhausen und Capo Sven Huppert gab sein Bestes nach dem Spiel beim Tabellendritten. Und ja, alle Mann hatten einen Schniepel. Ein Resümee des Spiels der 3. Herren am 1. Mai in Landringhausen.

Um die ganze Spannung aus folgenden Artikel zu nehmen, die Fakten zuerst. 12 Mann des TSV Wennigsen stellten sich trotz Mai-Feierlichkeiten in den Dienst der 3. Herren und traten zum Auswärtsspiel beim SF Landringhausen an, wohlwissend dass man als Tabellensiebter und Unterlegner im Hinspiel (0:3) vermutlich die Außenseiterrolle bekleiden und bei etwaigen schlechten Spielverlauf auch Kanonenfutter sein könnte. Am Ende unterlag man 1:2 und es kam alles anders, als man es selbst erwartete. Ein Versuch, objektiv subjektive Wahrnehmung wahrheitsgemäß wiederzugeben.

Der Tag beginnt mit dem Treffpunkt am Sonntagmittag vor dem goldenen Schlüssel in Wennigsen, dem Treffpunkt zu Auswärtsspielen (und nebenbei ein auch sehr beliebtes Lokal, wo man gut speisen und zu späterer Stunde auch gut trinken kann mit sehr nettem Personal). Die ersten 9 Spieler treffen ein und Gesprächsthema war der Mannschaftsabend am Freitag, der Beginn des Exzesses, der am Samstag von einigen fortgeführt wurde und wo verstrahlte Maitänzer den Sonntagmorgen nutzten, um diverse Promillewerte herunterzuschrauben, in dem sie friedfertig in ihren (oder fremden) Betten ausschlafen konnten. Luxus, den die 3. Herren sonst nicht kennt, da die Anstoßzeit üblicherweise frühmorgendlich bei 10.30 Uhr liegt.

Um 13.00 Uhr traf man in Landringhausen ein, es folgte eine Platzbegehung sowie eine erste Taktikbesprechung. Im sicheren 5-3-2 wollte man den Gegner mit Schlafwagenfußball zermürben, ohne selbst bei strahlendem Sonnenschein der Gefahr ausgesetzt zu sein, zu viel zu laufen. Denn wer kennt das nicht, wenn Schweiß plötzlich über verschiedene Wege ins Auge rinnt und dieses gerötet anfängt zu jucken und zu brennen? Dementsprechend wurden die zwei Stürmer darauf hingewiesen, dass man dem Sicherheitsprinzips der Koryphäe Adrian Stegen folgen würde: „Hoch und weit bringt Sicherheit.“ Mehr gab es auch nicht zu sagen, außer das man eigentlich gar nicht soooo chancenlos war und dass man mit den typischen Wennigser Tugenden bestmöglich dagegen halten wollte.

Als Schiedsrichter Hermann Janssen dann eine Stunde später das Spiel anpfiff, sahen sich auch die Gastgeber etwas verwundert an, da die Gäste keinerlei Bestrebungen zeigten, jenseits der Mittellinie die in schwarz spielenden Landringhäuser anzugreifen. Genüsslich wartete man zurückgezogen in der eigenen Hälfte auf die ersten Versuche des Favoriten, sich eine Lücke zu suchen um vor das Tor des TSV zu kommen. Es trat genau das ein, was man erwartete und sich erhoffte. Landringhausen wechselte mehrmals mit dem Ball die Seite, wirklich vorwärts kamen sie aber nicht. Dafür sorgte eine Abwehrriegel, der seinesgleichen suchen sollte. Die 5-Mann-Abwehrkette sowie die 3-Mann-Sechserkette verschoben so perfekt, dass sich den Sportfreunden einfach keine Lücke bot und damit kein Raumgewinn zu erzielen war. Für die Zuschauer nicht wirklich ansehnlich, für Taktik-Fans großes Tennis bzw. Schach.

Die erste wirklich gefährliche Torchance bot sich dann sogar den Gästen an. Ein langer Ball in die Spitze auf Marcel Devantier, der sich gegen zwei hoch aufgerückte Verteidiger durchsetze und den Ball aber leider etwas zu hoch über die Querlatte des Tores drosch. Ein erstes Ausrufezeichen, was vor allem bei Landringhausens Spieler mit der Rückennummer 11 – Christian Poppe – dazu führte, dass seine Halsader krampfartig anschwoll, war dieser doch mit den Spielverlagerungen und Zuspielen seiner Mitspieler höchst unzufrieden. Ein Unterschied zwischen dessen Kopf- und Wennigsens Trikotfarbe war quasi nicht mehr erkennbar, u.a. auch weil Fürst Bene von Pappenheim klebrig wie eine Klette ihn auf Schritt und Tritt verfolgte und er zu keinerlei Chance kam.

Nach gut 25 Minuten sollte ein langer Ball das erste Mal die Wennigser Abwehr aushebeln und eben jener angesprochene Poppe Routinier Sven Huppert davon eilen, der diesen kurz vor der Straufraumgrenze „aus Versehen beim Kreuzen an dessen Wade traf“, sodass es Freistoß für Landringhausen gab. Diesen verwandelte Landringhausens Gregor Fauter mit einem platzierten Flachschuss ins Torwarteck, wo Spielertrainer Wasner ganz alt bei aussah, weil er mit einem Schlenzer über die Mauer spekulierte, den Ball nicht richtig sah und zu spät reagierte. Ein vernünftiger Torwart hätte den natürlich gehabt. Aber die Wennigser zeigten eine sofortige Trotzhandlung und nach einer Kombination über Robin Nitschke und Nikki gruner war es erneut Marcel Devantier, der sich in aussichtsreicher Position den Ball aber ein Stück zu weit nach vorne legte, sodass Landringhausens Torwart Mike Jungk als erster am Ball war.

In der Phase kurz vor der Halbzeit kamen die Gastgeber dann auch besser ins Spiel, wobei spielerisch vieles unterstrich, warum diese Mannschaft auch nur in der 4. kreisklasse beheimatet ist. Immerhin sorgten zwei Ecken noch einmal für Gefahr vor dem Wennigser Gehäuse, bei einer davon konnte Torwart Wasner sich auszeichnen und seinen Fehler mit einer Glanztat wieder wettmachen, als er einen Schuss aus kürzester Distanz aus dem Winkel fischte. Als alle dann mit dem Halbzeitpfiff rechneten gab es in Höhe der Mittellinie noch einmal einen Freistoß für den TSV Wennigsen. Tobi Lauenstein schlenzte diesen aus halbrechter Position butterweich auf den Elferpunkt, wo der hessische Jung namens Devantier endlich erfolgreich war und mit seinen gefühlt 2,37 Metern Größe auch den Vorteil des Kopfballspiels unter Beweis stellt und den 1:1-Ausgleich erzielte.

Mit diesem Unentschieden ging es in die Pause und trotz diverser konditioneller Beschwerden verzichtete man auf einen Wechsel. Stattdessen lobte man die Mannschaft als Einheit, die taktisch die Vorgaben nahezu perfekt umsetzte und es dem Gastgeber nicht ermöglicht wurde, aus dem Spiel heraus auch nur eine gefährliche Chance zuzulassen. Als dann im zweiten Abschnitt den Gästen nicht mehr einfiel, um die Abwehrreihen des TSV Wennigsen auszuhebeln, wechselte sich Landringhausens Trainer Axel Brendel selbst ein, wobei der klügere Schachzug war, auch Florian von Aspern einzuwechseln. Den hatte die Wennigser Verteidigung nach eigenem Eckball gar nicht auf den Schirm und dieser wurde von Poppe perfekt in Szene gesetzt, schaffte es aber völlig freistehend den Ball aus 8 Metern noch rechts neben das Tor zu setzen. Die Gäste aus Wennigsen kamen indes nicht mehr zu großer Entlastung und nach einem bösen Foul an Bene von Pappenheim musste dieser durch Janick Pohle ersetzt werden.

Zuvor rückte aber wieder einmal Christian Poppe in den Vordergrund. Ein zu weiter Pass Landringhausens wurde von Adrian Stegen geklärt und beide Spieler gingen schreiend zu Boden. Folge war ein Freistoß für die Gastgeber, der dieses Mal über die Mauer gezirkelt wurde und das 2:1 bringen sollte. Zwar streckte sich Wasner, doch die Mühe waren vergeblich. Hätte er in seiner Kindheit vielleicht einen Fruchtzwerg mehr gegessen oder in jüngster Vergangenheit das eine oder andere Hopfengetränk weniger getrunken, hätte er den Ball vielleicht auch noch um den Pfosten lenken können. So fiel der Ball in die Maschen und der Favorit führte 2:1.

Wer jetzt aber glaubte, dass sich die Wennigser Gäste ihrem Schicksal ergeben würden, der irrte gewaltig. Denn durch diesen Rückstand wurden quasi Geister geweckt und 3. Herren versuchte in einer beeindruckenden Schlussoffensive alles in ihrer Macht stehende, um doch noch zum Ausgleich zu gelangen. Auch Landringhausen schien überrascht ob des Kampfeswillen und wusste sich häufig nur durch Fouls zu helfen. Nach diversen Standardsituationen, ermöglicht durch den laufstarken Alex Becker oder seinem Pendant Nikki Gruner, hatte Trainer Wasner schon den Jubelschrei auf den Lippen, doch die Genauigkeit der Kopfbälle des Mannschaftskapitäns Stefan Zander sollten zu keinerlei Torerfolg führen. Auch ein stark getretener Freistoß von Gruner konnte zur Ecke geklärt werden und auch die letzte Aktion, in der alle 22 Feldspieler im Strafraum des SF Landringhausen waren, führte zu keinerlei Torerfolg mehr, sodass es letzten Endes beim 2:1 blieb.

Die Reaktion der Gastgeber nach diesem Spiel war bezeichnend. Anstatt sich ob des Sieges zu freuen, wurde erst einmal tief durchgepustet und -geatmet, während sich die 3. Herren des TSV Wennigsen im Mittelkreis traf und sich für die dargebotene Leistung gegenseitig beklatschte. Fazit des Trainers Dennis Wasner: „Es ist eine Niederlage, die sich nicht wie eine Niederlage anfühlt. Es macht sehr viel Spaß mit dieser Mannschaft, weil jeder für jeden kämpft und eine mannschaftliche Geschlossenheit an den Tag gelegt wird, die ihresgleichen sucht.“ So war es auch wenig verwunderlich, dass die Wennigser noch singend unter der Dusche standen, während die Gastgeber bereits auf dem Heimweg waren. Diese 3. Herren bereitet viel Freude und auch Libero Adrian Stegen merkte nach dem Spiel an: „Die Defensive ist unsere große Stärke. In der Hinrunde haben wir gegen die Top 3 noch 13 Gegentore bekommen, in der Rückrunde 4. Wir haben in dieser Mannschaft auch Potenzial für mehr - je nachdem wer uns auch Woche für Woche zur Verfügung steht.“ Kurze Randnotiz: Die Startelf wurde zur vorigen Woche auf 8 (!) Positionen geändert.

SF Landringhausen – TSV Wennigsen III     2:1 (1:1)
A-Platz Landringhausen: 35 Zuschauer
Aufstellung: Dennis Wasner, Benedikt von Pappenheim (70. Janick Pohle), Sven Huppert, Sascha Krüger, Adrian Stegen, Tobias Lauenstein, Jan-Niklas Gruner, Marcel Devantier, Alexander Becker, Robin Nitschke, Stefan Zander.
Tore: 1:0 Gregor Fauter (25.), 1:1 Marcel Devantier (40.), 2:1 Dennis Wolff (70.)

 
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